Eliane Radigue

Komponistin

In seiner Biografie über die Komponistin schreibt der Künstler Emmanuel Holterbach:

Seit den 60er Jahren komponiert Eliane Radigue elektronische Musik.
Die französische Komponistin ist sowohl Pionierin der elektronischen Musik als auch der Minimal Music. Ihre Musik gleicht einem langsamen Strom, der sich durch dichte, kaum wahrnehmbare Klangveränderungen bewegt. Eine zeitlose Architektonik tiefer Klänge, die nicht nur den Verstand oder das Hören ansprechen, sondern den ganzen Körper.

Eine Musik, die einen mitreißt, sobald man in sie eintaucht.
Eine Musik, die die enorme Subtilität von Meeresrauschen besitzt.

Ihr Lebenslauf ist in vielfacher Hinsicht bemerkenswert.

Ende der 50er Jahre studierte sie in Paris unter den Pionieren der Music concréte, Pierre Schaeffer und Pierre Henry, und arbeitete als Assistentin an der Premiere von L´Apocalypse de Jean (Die Apokalypse des Johannes).

In den 60er Jahren begann sie mittels einfacher Elektronik (Feedback und asynchronen Tonband Loops) zu komponieren, stieß jedoch mit ihrer Forschungsarbeit in Frankreich auf wenig Anerkennung.

In den frühen 70er Jahren fand sie in New York Anerkennung und Gleichgesinnte und erforschte den beginnenden Minimalismus mit James Tenney, Charlemagne Palestine, Phillip Glass, John Gibson und Steve Reich.

In dieser Zeit wandte sie sich ausschließlich der elektronischen Musik zu. Seither komponiert sie auf den besten Synthesizern ihrer Zeit: Buchla, Moog, Serge und ARP Synthesizer zählen zu ihren bevorzugten Instrumenten.

Aus der Zusammenarbeit mit Robert Ashley entstand Les Chants de Milarepa.

Radigue komponierte etwa zwei Dutzend Werke, die sie an renommierten Konzerthäusern und Festivals in den USA und Europa präsentiert.

2004 entstanden auf Anregung von Kasper Toeplitz und aus der engen Zusammenarbeit mit den InterpretInnen während des Kompositionsprozesses akustische Kompositionen für ein oder mehrere Instrumentalisten.

Diese Kompositionen, die sich durch eine starke Fokussierung auf das rein akustische Klangmaterial und einen äußerst empfindsamen Umgang mit dem jeweiligen Timbre auszeichnen, stellen keinen ästhetischen Bruch, sondern, im Gegenteil, eine Erweiterung zu ihrer bisherigen elektronischen Arbeit dar.

Von 2004–2009 entstand “Naldjorlak”, ein dreiteiliger Werkzyklus für Charles Curtis am Cello, und Carol Robinson und Bruno Martinez am Bassetthorn. Derzeit schreibt Eliane Radigue ausschließlich für akustische Instrumente.

Die zählt zu den bedeutendsten und innovativsten Komponistinnen des 21. Jahrhunderts.

(Übersetzung aus dem Englischen: Gina Mattiello)

Pressestimme

„Eliane Radigue arbeitet mit elektronischen Klängen, die eine Atmosphäre schaffen, in dem der Zuhörer von einem kontinuierlichen Fluss umgeben scheint. Ihre Musik wurde als äußerst diskret bezeichnet … anders als die Musik, die den Zuhörer beständig am Hemdsärmel greifen will, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.“

Michel Chion in Les Musique Electroacoustiques